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Mercedes Made to Measure: Individualisierung ab Werk

Oberhalb von Manufaktur sitzt bei Mercedes eine zweite Stufe: Made to Measure. Eigene Lackfarbe mit eigenem Namen, vier Jahre für andere Kunden gesperrt, Naht und Paspel in getrennten Tönen. Was dahintersteckt und wann ein Veredler trotzdem die bessere Wahl ist.

Von Nina
28. Oktober 20266 Min. LesezeitMit Video

Ein Auto, das zum eigenen Outfit passt, klingt nach Angeberei. Bei Mercedes ist es inzwischen eine Bestelloption. Mit dem Facelift der S-Klasse hat die Marke ihr Manufakturprogramm deutlich ausgebaut, und ganz oben steht eine Stufe, bei der die Farbkarte endet und dein Geschmack anfängt: Made to Measure.

Das Prinzip dahinter funktioniert wie eine Pyramide. Unten der breite Sockel, oben die Spitze. Wer den Unterschied einmal verstanden hat, konfiguriert anders.

Die Pyramide: Manufaktur unten, Made to Measure oben

Manufaktur ist der Sockel. Hier liegt bereits eine große Zahl fertig abgestimmter Farbkombinationen bereit, für Exterieur und Interieur. Vorgefertigt heißt in dem Fall nicht beliebig: Jemand bei Mercedes hat sich die Zusammenstellung überlegt, das Leder zum Lack gestellt, die Zierteile dazu gewählt. Du greifst zu, du kombinierst nicht selbst. Für die meisten Besteller ist das die richtige Ebene, weil das Ergebnis garantiert stimmig wirkt und du keine Entscheidung triffst, die dich beim ersten Blick ins Tageslicht ärgert.

Made to Measure sitzt darüber. Und da fällt die Begrenzung praktisch weg. Statt aus Kombinationen zu wählen, definierst du sie. Das betrifft nicht nur die großen Flächen, sondern genau die Stellen, an denen sonst die Konfiguratoren aufhören.

Die Details, bei denen es interessant wird

Im Interieur lässt sich jede Ebene einzeln anfassen. Ein schmaler Lederstreifen kann einen völlig anderen Ton tragen als die Fläche daneben, und die Naht darauf wiederum einen dritten. Genau diese Dreifach-Trennung ist der Punkt, an dem ab Werk gebaute Individualisierung sich von einer nachträglichen Sattlerarbeit unterscheidet: Es ist Serienqualität in der Verarbeitung, aber mit einer Farbgebung, die es sonst nirgends gibt.

  • Name oder Schriftzug deiner Wahl im Innenraum, zum Beispiel als Stickerei
  • Vereinslogo oder ein anderes Emblem statt eines Mercedes-Standardmotivs
  • Paspel, Fläche und Naht in drei voneinander unabhängigen Farben
  • Individualisierte Einstiegsleisten
  • Abgestimmtes Felgendesign

Der Reiz liegt weniger im Spektakulären als in der Konsequenz. Wer einen Farbton über Lack, Sitzmittelbahn, Paspel und Einstiegsleiste durchzieht, bekommt ein Auto, das beim zweiten Hinsehen zusammenpasst, nicht beim ersten.

Deine eigene Lackfarbe, auf vier Jahre gesperrt

Der härteste Teil des Programms ist die freie Farbe. Existiert dein Wunschton nirgends im Mercedes-Universum, wird er aufgenommen. Nicht als Folierung, nicht als Nachlackierung, sondern als Farbe im Programm.

Dazu kommen zwei Punkte, die aus einer Sonderfarbe ein Alleinstellungsmerkmal machen. Erstens: Du kannst den Ton für bis zu vier Jahre für andere Kunden sperren lassen. In diesem Zeitraum bekommt niemand sonst dieselbe Farbe ab Werk. Zweitens darf die Farbe einen Namen tragen, und zwar deinen oder einen, den du dir ausdenkst. Das ist der Moment, in dem das Fahrzeug aufhört, eine besonders gut ausgestattete Konfiguration zu sein, und zum Einzelstück wird.

Vier Jahre sind in der Praxis eine sinnvolle Größe. Lange genug, dass dein Auto über den gesamten typischen Haltezeitraum als Erstbesitzer solitär bleibt. Kurz genug, dass Mercedes die Farbe danach weiterverwenden kann, falls sie sich als Treffer erweist.

Der Weg läuft über den Händler, nicht über den Konfigurator

Made to Measure buchst du nicht online. Du gehst zum Mercedes-Partner deiner Wahl, und der stellt den Kontakt zu einem Manufakturexperten her. Ab dort wird nicht mehr angeklickt, sondern besprochen: welcher Ton, welches Leder, welche Naht, welche Kombination technisch und optisch trägt.

Dieser Umweg ist kein Verwaltungsakt, sondern der eigentliche Mehrwert. Farbe am Bildschirm und Farbe auf einem gekrümmten Blech bei bedecktem Himmel sind zwei verschiedene Dinge. Ein Ton, der auf dem Muster satt wirkt, kann auf einer großen S-Klasse-Flanke flach aussehen, weil die Fläche ihn anders bricht. Dafür sitzt am anderen Ende jemand, der das vorher weiß.

Plane entsprechend. Wer eine Sonderfarbe anlegen lässt, verschiebt den Bestellvorgang von einer Stunde am Rechner auf mehrere Termine mit Mustern in der Hand. Wie lange das in Summe dauert und was die Stufe kostet, ist der Punkt, über den im Umfeld des Programms am wenigsten gesprochen wird. Belastbare Angaben dazu gibt es öffentlich kaum, und wer behauptet, eine Pauschalsumme zu kennen, rät.

Werk oder Veredler: wann Brabus trotzdem die richtige Adresse ist

Die naheliegende These lautet: Wenn das Werk so weit geht, brauchst du keinen Veredler mehr. Das stimmt nur für eine bestimmte Art von Wunsch.

Geht es dir um Farbe, Leder, Naht, Monogramm, Einstiegsleisten und Felgendesign, also um Erscheinung und Material, ist Made to Measure die bessere Lösung. Alles entsteht im Produktionsprozess, mit Werksgarantie, ohne dass irgendwo ein zweites Mal demontiert und neu aufgebaut wird. Nichts knarzt später an einer Stelle, an der ursprünglich kein Teil geöffnet werden sollte.

Sobald du aber an der Substanz etwas änderst, endet die Zuständigkeit. Mehr Leistung, andere Aerodynamik, breitere Karosserie, modifizierte Abgasanlage, ein anderes Fahrwerk: Das ist Veredlergebiet. Ein Haus wie Brabus verkauft nicht in erster Linie eine Farbe, sondern einen anderen Charakter des Fahrzeugs. Die beiden Welten konkurrieren weniger, als es auf den ersten Blick wirkt. Sie schließen nur unterschiedliche Lücken.

Meine Empfehlung für den Normalfall: Wer sein Auto optisch einzigartig will und die Technik so schätzt, wie sie ab Werk abgestimmt ist, fährt mit Made to Measure besser. Wer am Antrieb oder an der Karosserie ansetzen will, kommt am Veredler nicht vorbei, auch nicht mit dem ausgebautesten Manufakturprogramm. Beides zu kombinieren ist möglich, kostet aber doppelt Zeit, weil das Fahrzeug erst fertig gebaut und dann wieder geöffnet wird.

Was so ein Auto beim Wiederverkauf macht

Individualisierung ab Werk ist kein Wertsteigerungsprogramm, jedenfalls nicht automatisch. Eine sehr persönliche Farbe plus Monogramm plus Vereinslogo verengt den Käuferkreis spürbar. Je spezieller die Kombination, desto kleiner die Zahl derer, die genau das wollen.

Wer das Auto lange behält, kann das ignorieren. Wer in drei Jahren verkaufen will, fährt mit einer Sonderfarbe besser, die ungewöhnlich, aber nicht schrill ist, und hält das Interieur so, dass es ohne persönliche Kennzeichen funktioniert. Die Namenssperre über vier Jahre spielt dabei sogar für dich: Solange sie läuft, ist dein Fahrzeug nachweislich der einzige Wagen mit diesem Ton ab Werk, und Seltenheit lässt sich im Inserat belegen.

Was das Programm offen lässt

Zwei Dinge bleiben unklar, wenn man nur die Grundzüge des Programms kennt. Erstens die Frage, welche Baureihen über die S-Klasse hinaus auf der obersten Stufe spielen dürfen. Der Ausbau kam mit dem S-Klasse-Facelift, das heißt nicht zwingend, dass jede Baureihe denselben Spielraum bietet.

Zweitens die Grenzen innerhalb von Made to Measure selbst. Dass jede denkbare Farbe lackierbar ist, ist unwahrscheinlich: Pigmente, Deckkraft, Haltbarkeit und Reparaturfähigkeit setzen physikalische Schranken, die kein Konfigurator aufhebt. Welcher Wunsch im Gespräch mit dem Manufakturexperten durchfällt und warum, erfährst du erst dort.

Wenn du also ernsthaft darüber nachdenkst, nimm zum ersten Termin nicht nur eine Farbvorstellung mit, sondern den Gegenstand, dessen Ton du treffen willst. Stoff, Lackprobe, was auch immer. Eine Farbe aus der Erinnerung zu beschreiben ist der sicherste Weg, am Ende einen Wagen abzuholen, der fast passt.

Grundlage dieses Beitrags ist das Video Made to Measure by Mercedes #mercedes #short.

NI
Nina

Schnelle Autos, getunte Fahrzeuge und der Lifestyle, sind meine große Leidenschaft. Ich bin Nina und kenne mich bestens mit coolen Gadgets, Accessoires, Events, Reviews und Produkten aus, die das Herz von euch Speedfans höherschlagen lassen. Hier bei SPEEDxpertz.com teile ich meine Begeisterung und halte euch über die neuesten Trends und Must-haves rund um die Welt der Geschwindigkeit und Lifestyle regelmäßig auf dem Laufenden. Übrigens mein Lebensmotto ist ein cooler Spruch von Walter Röhrl: „Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen.“ In diesem Sinne "Gas ist rechts!"

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