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SUV

ID.Tiguan: Warum echte Tasten die bessere Bedienung sind

Der Touch-Slider ist raus, klickende Tasten sind zurück: Im ID.Tiguan kehrt die physische Bedienung ins Cockpit zurück. Warum das mehr ist als Nostalgie.

Von Nina
28. Oktober 20266 Min. LesezeitMit Video

Im ID.Tiguan gibt es wieder Knöpfe. Richtige, klickende Tasten für die Klimaanlage, und der Touch-Slider unter dem Bildschirm ist verschwunden. Das klingt nach einem Detail, ist aber die größte Korrektur, die VW im Innenraum seit Jahren vorgenommen hat. Und es betrifft nicht nur dieses eine Modell, sondern inzwischen die Modellpalette insgesamt.

Die interessante Frage ist nicht, ob Tasten schöner aussehen. Sondern warum ein ganzer Konzern erst eine Generation lang auf Touch gesetzt hat, um dann zurückzurudern.

Der Touch-Slider war der größte Fehler im Cockpit

Ein Slider für Temperatur und Lautstärke sieht auf dem Messestand grandios aus. Eine durchgehende Fläche, keine Spaltmaße, keine mechanischen Teile. Im Fahrbetrieb ist er genau das Gegenteil von dem, was du brauchst.

Der Grund ist simpel: Du kannst ihn nicht blind bedienen. Eine Fläche ohne Kontur gibt deinen Fingerkuppen keinen Anhaltspunkt. Du musst hinsehen, um die Position zu finden, du musst hinsehen, um das Ergebnis zu kontrollieren, und bei Nässe oder mit Handschuhen reagiert die kapazitive Erkennung unzuverlässig. Jede dieser Sekunden ist eine Sekunde, in der dein Blick nicht auf der Straße liegt.

Dazu kommt die fehlende Rückmeldung. Eine mechanische Taste bestätigt den Druckpunkt, bevor das System reagiert. Ein Slider bestätigt gar nichts, du merkst erst an der Temperaturanzeige, ob du getroffen hast. Wer das Feature damals durchgewinkt hat, hat es offensichtlich nie im Dunkeln auf der Autobahn ausprobiert.

Was eine klickende Taste besser kann

Physische Bedienelemente nutzen etwas, das Touch-Flächen prinzipbedingt nicht haben: Muskelgedächtnis. Nach ein paar Fahrten greifst du zur Temperaturtaste, ohne den Kopf zu drehen. Die Hand findet den Weg, weil Form, Position und Abstand immer gleich bleiben.

Drei Dinge machen den Unterschied aus:

  • Taktile Orientierung: Kanten, Abstände und Oberflächen lassen sich ertasten, ohne hinzusehen.
  • Definierter Druckpunkt: Der Klick sagt dir, dass der Befehl angekommen ist, bevor du auf ein Display schaust.
  • Feste Position: Eine Taste wandert nicht in ein Untermenü und verschwindet nicht nach einem Software-Update.

Der letzte Punkt wird unterschätzt. Ein Touchmenü kann sich über Nacht ändern. Ein Drehregler sitzt da, wo er beim Kauf saß.

Die Klimabedienung ist der Prüfstein

Es gibt Funktionen, die gehören auf einen Bildschirm, und es gibt Funktionen, die gehören an die Hand. Navigation, Medienbibliothek, Fahrzeugeinstellungen: alles Dinge, die du im Stand oder in Ruhe erledigst. Dafür ist ein großes Display ideal, weil es Listen und Karten darstellen kann, für die kein Tastenfeld der Welt genug Platz hätte.

Klimatisierung, Sitzheizung, Lautstärke und Warnblinker gehören in die andere Kategorie. Diese Funktionen bedienst du reflexhaft, oft während du fährst, und meistens ohne vorher darüber nachzudenken. Genau hier hat der ID.Tiguan wieder echte Tasten, und genau hier zahlt sich das aus.

Die Trennlinie ist also nicht Touch gegen analog. Sie verläuft zwischen Funktionen, die du bewusst suchst, und Funktionen, die du nebenbei auslöst. Letztere brauchen Hardware. Wer das sauber trennt, braucht keine Diskussion über Bildschirmdiagonalen mehr zu führen.

Das Beifahrerdisplay und der Blickschutz

Zweite Neuerung im Cockpit: ein eigenes Display auf der Beifahrerseite. Der Beifahrer kann darauf Filme schauen. Vom Fahrersitz aus bleibt der Schirm dunkel, weil die Oberfläche von schräg gesehen verspiegelt wirkt.

Das ist der eigentliche Trick an der Sache. Ein zusätzlicher Bildschirm im Blickfeld wäre eine permanente Ablenkungsquelle, bewegte Bilder ziehen das Auge automatisch an. Ein Display mit Winkelbegrenzung löst das Problem auf der Hardware-Ebene statt über eine Softwaresperre, die irgendwann jemand umgeht.

Ob die Abschirmung in jeder Lichtsituation gleich gut funktioniert, lässt sich aus einer kurzen Sitzprobe nicht beurteilen. Tiefstehende Sonne, Nachtfahrt, Reflexionen in der Seitenscheibe: Das sind die Szenarien, an denen sich so ein Konzept wirklich messen lassen muss. Genau dazu gibt es bislang keine belastbare Aussage.

Wertigkeit entsteht an den Kontaktpunkten

Es gibt einen Nebeneffekt, über den selten geredet wird. Ein Interieur wirkt hochwertiger, wenn es Bedienteile hat, die sich gut anfühlen. Das Gefühl für Qualität entsteht an den Stellen, die du mit den Fingern berührst: Lenkradkranz, Schalthebel oder Wählhebel, Türgriff, Klimatasten.

Eine Glasfläche kann glänzen, aber sie fühlt sich bei jedem Hersteller gleich an. Ein Taster mit sauberem Druckpunkt und wenig Spiel ist dagegen ein Qualitätsmerkmal, das du bei jeder Fahrt wahrnimmst. Deshalb wirkt der ID.Tiguan innen deutlich moderner und wertiger als sein Vorgänger, obwohl er in einem Punkt technisch zurückgeht.

Modern heißt hier eben nicht: möglichst wenig Hardware. Modern heißt: die richtige Hardware an der richtigen Stelle.

Warum die Touch-Phase überhaupt kam

Niemand hat Tasten abgeschafft, weil sie schlecht funktioniert haben. Sie sind verschwunden, weil eine glatte Fläche günstiger zu produzieren ist als ein Tastenfeld mit Mechanik, Beleuchtung und Verkabelung, und weil sie auf Fotos und in Showrooms aufgeräumter aussieht.

Der Haken: Beides sind Argumente aus der Produktion und dem Marketing. Keines davon ist ein Argument aus dem Fahrbetrieb. Die Rechnung ging so lange auf, bis die Fahrzeuge im Alltag ankamen und die Beschwerden sich häuften.

Die Rückkehr der Tasten ist deshalb keine Nostalgie. Sie ist eine Korrektur.

Worauf du bei einem Bedienkonzept achten solltest

Wenn du im Autohaus sitzt, taugt der kurze Blick auf das Display wenig. Diese Prüfung funktioniert besser:

  1. Stell den Sitz richtig ein und schau geradeaus. Finde die Temperaturverstellung, ohne den Kopf zu drehen. Gelingt das nicht, gelingt es auch nach drei Monaten nicht.
  2. Taste dich blind zur Sitzheizung und zur Lautstärke. Beides muss ohne Suchen klappen.
  3. Zähl die Bedienschritte bis zur Defrostfunktion. Alles über einem Griff ist zu viel.
  4. Fass die Tasten einzeln an. Wackeln sie, hat der Hersteller an der falschen Stelle gespart.

Besonders aufschlussreich ist Punkt drei. Funktionen, die du im Notfall brauchst, dürfen nicht in Menüs liegen, auch nicht in gut gemachten.

Was offen bleibt

Eine Sitzprobe sagt nichts über Haltbarkeit. Tasten haben einen Nachteil, den Touch-Flächen nicht kennen: Sie nutzen sich ab. Beschriftungen verblassen, Druckpunkte werden weich, Beleuchtung fällt aus. Wie sich die neuen Bedienteile nach vier oder fünf Jahren anfühlen, zeigt sich erst dann.

Offen ist außerdem, wie weit die Rückkehr tatsächlich geht. Klimatasten und ein verschwundener Slider sind ein deutlicher Schritt. Ob auch Funktionen wie Fahrmodi, Assistenzsysteme oder die Spiegelverstellung wieder physische Schalter bekommen, lässt sich daraus nicht ableiten.

Und noch eine Einschränkung: Eine Taste ist nur so gut wie die Logik dahinter. Wenn der Hersteller Hardware verbaut, die Befehle an ein träges Infotainment weiterreicht, hast du zwar einen sauberen Klick, aber trotzdem eine Verzögerung. Der Druckpunkt ist die halbe Miete, die Reaktionszeit des Systems die andere.

Grundlage dieses Beitrags ist das Video ID.Tiguan: Rückbesinnung auf echte TASTEN!! #vw #tiguan #voxautomobil.

NI
Nina

Schnelle Autos, getunte Fahrzeuge und der Lifestyle, sind meine große Leidenschaft. Ich bin Nina und kenne mich bestens mit coolen Gadgets, Accessoires, Events, Reviews und Produkten aus, die das Herz von euch Speedfans höherschlagen lassen. Hier bei SPEEDxpertz.com teile ich meine Begeisterung und halte euch über die neuesten Trends und Must-haves rund um die Welt der Geschwindigkeit und Lifestyle regelmäßig auf dem Laufenden. Übrigens mein Lebensmotto ist ein cooler Spruch von Walter Röhrl: „Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen.“ In diesem Sinne "Gas ist rechts!"

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