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Renault 8 Gordini Concept: Retro-Coupé mit 270 PS
Blau, weiße Streifen, sechs Scheinwerfer: Die Signatur stimmt. Nur ist aus der viertürigen Limousine ein 40 Zentimeter breiteres Elektro-Coupé mit 270 PS an der Hinterachse geworden.
Blau, zwei weiße Streifen, sechs Scheinwerfer in der Front. Die Signatur sitzt sofort. Nur die Karosserie darunter stimmt nicht mit der Erinnerung überein: Der Renault 8 Gordini war in den Sechzigern eine kantige, sportliche Limousine. Das Konzept, das heute seinen Namen trägt, ist ein Coupé. Mit 270 PS. Elektrisch. An der Hinterachse.
Und genau da fängt die interessante Diskussion an. Dürfen die das? Ein Name, der für eine viertürige Rennsemmel steht, auf einem zweitürigen Stromer mit 40 Zentimetern mehr Breite?
Das Original war eine Limousine mit 110 PS
Wer den Renault 8 Gordini kennt, hat ein Stufenheck im Kopf, vier Türen, schmale Spur, viel Luft über den Rädern. Das Ding war kein Showcar, sondern ein Wettbewerbsauto für Leute mit schmalem Budget. Bis zu 110 PS holte Amédée Gordini aus dem Heckmotor, und das war damals eine echte Ansage in dieser Fahrzeugklasse. Heckmotor, Heckantrieb, wenig Gewicht: Das Fahrverhalten dieser Autos war berüchtigt, nicht harmlos.
Die blau-weiße Lackierung ist bis heute der stärkere Markenkern als jedes technische Datenblatt. Sie funktioniert auch ohne Modellkenntnis. Genau deshalb kann ein Konzept damit arbeiten, ohne dass man vorher in die Historie einsteigen muss.

Die Front macht die ganze Arbeit
An der Front ist die Verwandtschaft unverkennbar. Sechs Scheinwerfer, wie sie die Rallye-Versionen des Originals mit ihren Zusatzlampen trugen. Das ist der stärkste Zitat-Moment am ganzen Auto, weil es kein Stilmittel ist, sondern eine Funktion aus dem Motorsport, die zur Form geworden ist.
Auch die Lüftungsgitter vorn und hinten sind geblieben. Beim Heckmotor-Original waren sie Pflicht, beim Elektro-Coupé sind sie ein Designzitat, das Renault bewusst stehen gelassen hat. Der Rhombus dagegen ist gewachsen: Am alten Wagen war das Logo ein kleines, dezentes Plättchen, am Konzept sitzt es groß und beleuchtet in der Front. Dass eine Studie das so macht, ist erwartbar. Leuchtende Markenzeichen sind der aktuelle Standard, ob man sie mag oder nicht.
Verschwunden ist die Chromleiste an der Flanke. Das ist der konsequenteste Eingriff am Auto. Sie hätte die Seite optisch in zwei Hälften geteilt und die neue Breite sofort kaputt gemacht.
12 Zentimeter länger, 40 breiter, 10 niedriger
Die Proportionen sind der eigentliche Umbau, nicht die Details. Gegenüber dem historischen Vorbild wächst das Konzept:
- 12 Zentimeter mehr Länge
- 40 Zentimeter mehr Breite
- 10 Zentimeter weniger Höhe
Länge und Höhe sind Kosmetik, die Breite ist die Aussage. 40 Zentimeter verändern ein Auto komplett. Aus einem hochbeinigen Kasten mit vier Türen wird eine flache, breitspurige Kiste, die auf dem Boden klebt. Dazu die gemischte Bereifung mit 19 Zoll an der Vorderachse und größeren Rädern hinten. Diese Staffelung ist kein Zufall und auch keine reine Optik: Sie ist die klassische Bildsprache für Heckantrieb und damit ein Verweis auf das Layout des Originals.
Dass so ein Konzept flacher und breiter wird als sein Vorbild, ist normal. Fast jede Retro-Studie macht das. Interessant ist, dass die Front das trotzdem aushält, weil die sechs Scheinwerfer auf der breiten Fläche noch mehr Platz zum Wirken haben.
270 PS elektrisch, hinten
Die 110 PS von damals sind 270 PS geworden, elektrisch, an der Hinterachse. Das ist der entscheidende Punkt bei der Frage, ob der Name berechtigt ist: Renault hätte hier bequem Allrad mit zwei Motoren bauen können, wie es bei Elektro-Studien üblich ist. Ein Motor hinten, angetriebene Hinterräder, keine Vorderachse im Antriebsstrang. Das ist die Übersetzung des alten Konzepts in die heutige Technik, nicht nur ein Namensschild.
Was das Konzept nicht verrät: Gewicht, Batteriekapazität, Reichweite, Leistungsentfaltung. Alles offen. Und das Gewicht ist bei einem Auto, dessen Reiz historisch in der Leichtigkeit lag, die spannendste unbeantwortete Frage. 270 PS an der Hinterachse können sehr unterhaltsam sein oder sehr träge wirken, je nachdem, was die Waage sagt. Wer die Heckantriebs-Idee ernsthaft ausprobieren will, macht das ohnehin auf der Rennstrecke und nicht auf der Landstraße.

Innen: Rundinstrumente, nur eben digital
Der Innenraum bleibt dem Prinzip treu. Ein simples Lenkrad ohne Schnickschnack, Rundinstrumente dahinter, aber digital dargestellt. Kein Riesendisplay quer über das ganze Armaturenbrett, sondern die Anordnung, die man aus dem Vorbild kennt.
Das schönste Detail im Innenraum ist eines, das man leicht übersieht: die Kopfstützen. Im Original gab es keine. Weglassen darf man sie heute nicht. Also sind sie am Konzept schwarz bezogen, damit sie vor der dunklen Fläche optisch zurücktreten und die Sitzlehnen aus der Ferne wieder so wirken wie damals. Das ist die Sorte Designentscheidung, die ein Retro-Auto von einer Verkleidung unterscheidet: Man kaschiert eine moderne Pflicht, statt so zu tun, als gäbe es sie nicht.
Am Heck reißt die Verbindung ab
Und dann das Heck. Vorn funktioniert die Hommage sofort, seitlich trägt die Breite, im Innenraum sitzt jedes Zitat. Hinten verliert sich der Bezug. Das Coupé-Dach nimmt dem Auto genau die Stufe, über die das Original seinen Charakter definiert hat, und das, was danach kommt, könnte an vielen modernen Elektro-Studien hängen. Das ist die Schwachstelle des Entwurfs.
Nachvollziehbar ist es trotzdem. Ein Stufenheck ohne Heckmotor darunter ist formal schwer zu begründen, und die Proportionen eines flachen, breiten Coupés lassen sich kaum mit einem kurzen, hohen Kofferraumdeckel verbinden. Renault hat sich entschieden, die Erkennbarkeit nach vorn zu verlagern. Das ist die pragmatische Lösung, nicht die mutige.
Darf man das? Ja, aber mit einer Bedingung
Ein historischer Name auf einer neuen Karosserie ist nur dann mehr als Marketing, wenn die technische Idee mitwandert. Bei diesem Konzept wandert sie mit: Heckantrieb bleibt Heckantrieb, das Leistungsversprechen der Klasse bleibt erhalten, die Rallye-Herkunft steckt in den sechs Scheinwerfern. Wäre das Ding ein Allrad-Crossover mit blauen Streifen, wäre die Antwort eine andere.
Was man im Blick behalten sollte, ist die Serienfrage. Eine Studie kann sich 40 Zentimeter Mehrbreite, gestaffelte Räder und ein kompromisslos flaches Dach leisten, weil sie niemandem Rücksicht auf Kopffreiheit, Kofferraumvolumen oder Fußgängerschutz schuldet. Wie viel von dieser Form ein Serienauto übernehmen könnte, sagt das Konzept nicht. Bei Retro-Studien ist es meistens die Front, die überlebt, und die Proportion, die zuerst weichgespült wird.
Grundlage dieses Beitrags ist das Video Renault 8 #Gordini Concept: Dürfen die das? 😯.


















